Über Portland, Cape Nelson und Port Fairy ging es weiter nach Warnambool. Während der ganzen Zeit war Cricket (das berühmte 4-Tage-Testmatch gegen Südafrika) immer noch unser ständiger Begleiter. So kurz nach den Feiertagen hatten wir mit einem Problem fertig zu werden, an das bei der Reiseplanung niemand gedacht hatte. Der allwöchentliche Entwarnunganruf nach "Good old boring Germany" entfiel, da während der Feiertage jeder fleißig zu Hause anrufen wollte, um mitzuteilen, daß es einem gutgeht und man immer noch knapp 2.000 Kilometer von der Busch-Feuerfront entfernt und in Sicherheit war. Na ja, von dem Kleingeld, daß wir aus den Automaten gefischt haben (in der Annahme, da hätte sich nur was verklemmt) war der Eiskonsum der nächsten Tage mehr als gedeckt.
Von Warnambool aus fuhren wir weiter und sahen uns den ersten Teil der Great Ocean Road an - jedenfalls bis uns wahre Wolkenbrüche auf der Slalompiste rund um Lavers Hill fast von der Straße gespült haben. Kaum zu glauben, 24 Stunden später riß der Himmel auf und innerhalb von 2 Stunden hatten wir das schönste Wetter. Genau so schnell reagierten unzählige Reiseveranstalter und die Great Ocean Road zwischen der Bay of Islands und Torquay füllte sich mit Leben. Spätestens hier haben wir die Ruhe der verregneten Stunden tags zuvor etwas vermißt. Wir können also aus guter Erfahrung sagen: die Great Ocean Road lohnt sich bei jedem Wetter! (Ob jeder so denkt, bleibt fraglich: an der London Bridge kam uns eine fünfköpfige, deutschsprachige Familie mit ihrem Britz-Camper entgegen, bei denen sich das Gelb der Regenmäntel durch unübersehbare Schlammspuren bereits in einen dunklen Ockerton verwandelt hatte. Auch sahen wir an jenem denkwürdigen Tag zum ersten Mal schlammbraune Tennissocken - wir haben natürlich wie immer versucht, unsere deutsche Herkunft zu verleugnen....)
Für die an sich dreigeteilte Great Ocean Road sollte mindestens ein kompletter Tag eingeplant werden und sie sich am besten von Ost nach West vorzunehmen (sonst fährt man immer an der Bergseite entlang). Der erste Abschnitt besteht aus einer eindrucksvollen (und für den Fahrer etwas anspruchsvolleren) Küstenstraße, die sich eng an die Steilküste schmiegt. Lorne hielt noch eine besondere Überraschung für uns bereit: beim Frühstück in einem Cafe liefen auf einmal mehrere Einheimische mit verdächtig gut riechenden Tüten an uns vorbei. Und so gab es nach 3 Wochen Wabbelmasse endlich mal wieder wirklich gutes Brot mit knuspriger Rinde zu Essen.
Ab Apollo Bay verläuft die G.O.R. mit etwas mehr Abstand zum Wasser, bevor sie sich rund um die Cape Otway Region durch dichte Waldgebiete schlängelt. Dafür macht das Slalomfahren hier besonders viel Spaß (und neue Bremsen werden von Mietwagenfirmen nicht in Rechnung gestellt). Die berühmten 12 Apostel markieren den Beginn des dritten Abschnitts, der in erster Linie aus befestigten Aussichtspunkten der Sehenswürdigkeiten Loch Ard Gorge, The Arch, London Bridge und Bay of Islands besteht. Beim Sightseeing an der G.O.R. trennt sich im übrigen die Spreu vom Weizen, sprich der besonnene und ausgeglichene Tourist vom bisweilen angenervten und hektischen Ausflügler, den das typische Verhalten der vielen japanischen Landsleute und deren gewöhnungsbedürftigen Fotographierritualen bis aufs Blut reizt (daß im In-House-Videokanal vieler Hotels zur gleichen Zeit "Pearl Harbour" gezeigt wurde, war ganz bestimmt Zufall!). Falls etwas mehr Zeit zur Verfügung steht, empfiehlt es sich auch von Apollo Bay in Richtung Norden zu fahren. Von den Berghängen hoch über der Great Ocean Road bietet sich ein fantastischer Ausblick.
Über Geelong ging es dann weiter nach Melbourne, wo wir unser Auto vor dem Motel abstellten und alle Wege mit der Trambahn erledigen konnten. Die Millionenstadt Melbourne bietet die unterschiedlichsten Freizeitaktivitäten, wir haben uns in den 4 Tagen für folgendes entschieden: die Innenstadt, Queen Victoria Gardens, Shrine of Remembrance, St. Pauls Cathedral, Melbourne Cricket Ground, St. Kilda, Royal Albert Park, Fitzroy Gardens und Cooks Cottage, Flinders Station, Daimaru und Chinatown. Natürlich durfte auch die Fahrt auf dem Yarra River nicht fehlen. Hier haben uns besonders die mitunter sehr niedrigen Brücken fasziniert. Bei der Rückfahrt von Williamstown z.B. war das Ausflugsboot zu leicht, ragte deswegen zu hoch aus dem Wasser, und wir wurden kurzer Hand vor dem Crown Casino an Land gesetzt. Dies haben wir dann gleich genutzt, um uns Melbourne aus der Vogelperspektive der Observation Decks am Rialto Tower anzusehen.
Den unvergesslichen Silvesterabend haben wir zusammen mit ca. 100.000 anderen am Südufer des Yarra Rivers verbracht und uns dafür die Front des Crown Hotels ausgesucht. Zweifellos eine gute Wahl, da bereits ab 23.00 Uhr die Außenbereiche des Casinos durch riesige Flammenwerfer ins beste Licht gerückt wurden (gibts im übrigen nicht nur an Silvester). Das von der Stadt organisierte Feuerwerk und die Mentalität der Australier machte den Jahreswechsel zu etwas wirklich besonderem. Insgesamt dürfte für Melbourne das gleiche wie für Sydney gelten: in ein paar Tagen ist die gesamte Stadt nicht zu erforschen.
Nach
unserem 4-tägigen Abstecher in Melbourne ging es weiter die
Südküste entlang. Zuerst haben wir den Nationalpark Wilsons Promotory (kurz "Prom") besucht und sowohl
die eindrucksvolle Kulisse der Landschaft als auch die üppige
Tierwelt genossen. Diese taucht im übrigen sehr gerne sehr
schnell und unvermittelt vor dem Auto auf und prüft
Reaktionsvermögen der Fahrer wie Zustand der Bremsen. Ein
besonderes Erlebnis waren auch die vielen Extrem-Camper, die ihr
bisweilen nasses Lager an der Mündung des Tidal River
aufgeschlagen hatten. Nach einer denkwürdig-schaurigen Nacht im
Motel von Foster ging es weiter nach Sale. Dabei haben wir die
Erfahrung gemacht, daß die öfter zu findenden Scenic/Tourist
Drives um den South Gipsland Highway nicht zwangsläufig geteerte
Wege sein müssen. Dies gilt auch für eine der beiden Straßen
nach Tarra Bulga, für die wir uns zielgerichtet entschieden
haben (jeder der an einem Regentag mit einem sauberen Auto dort
oben ankommt, ist eh ein Lulli - und bei der Mietwagenabgabe
"ist ein bißchen dreckig" gar kein Problem).
Im Tarra Valley gibt es zudem einen
imposanten Dschungelpfad, der ein Musterbeispiel für die
tropischen Urwälder weiter im Norden Australiens abgibt.
Spätestens hier würde der durchschnittliche Teerstraßenfahrer
aufgeben.
Nach Übernachtungen in Sale und Bairnsdale und einem Kurzbesuch in Lakes Entrance verließen wir Victoria mit etwas gemischten Gefühlen, da wir uns langsam sehr nah an die Buschfeuerfront annäherten.