Nach der Landung empfing uns das typische Wetter für South Australia und Victoria, das uns die nächsten zwei Wochen begleiten sollte: mal strahlender Sonnenschein, mal bewölkt und vereinzelt etwas Regen. Die Temperaturen schwankten tagsüber zwischen 18 und 28° Celsius. Adelaides City zeigt sich im Gegensatz zu Perth von einer ganz anderen Seite: keine Skyline oder Wolkenkratzer, dafür ein streng nach Plan strukturiertes Zentrum, drum herum ausgedehnte Parks und wieder drum herum der Rest der großflächigen Stadt, die sich bei Nacht als wahres Lichtermeer präsentierte.
Die 3 Tage in Adelaide verbrachten wir am Strand in Glenelg, im Stadtzentrum (mit Victoria Square, Central Markets und der Rundle Mall) und natürlich auf Kangaroo Island. Um nach Glenelg zu kommen, benutzen Einheimische und Touristen die historische Trambahn. Glenelg ist ein mehr oder weniger ruhiges Fleckchen direkt am Meer, die Hauptstraße wird von vielen unterschiedlichen Restaurants, Bistros und Shops bevölkert. Hier haben wir zum ersten (und auch zum letzten Mal) die typisch australische Mischung von Steak und Mintsauce genossen. Die Sauce heißt Gravy, und nach dem sie unten war, fühlten wir uns auch so. Während Gravy fast überall auf die Touristen lauert, haben wir es in den ganzen 6 Wochen übrigens nicht geschafft, eine Packung Pfefferminztee für unser alltägliches "Do-it-yourself-Frühstück" zu finden.
Die Innenstadt Adelaides bietet ausgedehnte Fußgängerzonen und Shoppingareas inklusive Unterhaltungsprogramm von mehr oder minder begabten Straßenmusikanten, die zum Teil verzweifelt versucht hatten, Geld für ihre Weihnachtsgeschenke aufzutreiben.
Höhepunkt des Aufenthalts war die 16-Stunden-Tour nach Kangaroo Island, für die wir uns wie viele andere auch einer organisierten Bustour angeschlossen haben. Ohne die Ortskenntnisse der Tourguides und der Transportmöglichkeiten hätten wir mindestens 2 1/2 Tage gebraucht, um annähernd das Gleiche zu sehen. Zuerst ging es mit dem Bus ca. 2 Stunden nach Cape Jervis, von dort aus (zusammen mit hunderten von Schafen) mit einer großen Fähre nach Kangaroo Island. Dort haben wir neben Seals und Sealions-Kolonien andere Wildparks und die Remarkable Rocks besucht.
Unser 3-tägiger Aufenthalt in Adelaide schloß mit der Abholung des nächsten Mietwagens, ein schneeweißer Toyota Camry, nicht gerade durchzugsstark, aber durchaus belastbar, wie sich in den folgenden 2 Wochen zeigen sollte. Unser Weg führte zunächst nach Kingston SE, einer Hochburg für frisches Seafood, was wir ausgiebig ausgenutzt haben. Die nächste Zwischenstation war dann Mount Gambier, wo wir Weihnachten verbrachten und am Heiligen Abend bei ca. 19° Wassertemperatur im hoteleigenen Pool planschten. Zu dieser Jahreszeit macht der Blue Lake, ein mit Frischwasser gefüllter Vulkankrater, seinem Namen alle Ehre. Von Mount Gambier aus lohnen sich Ausflüge nach Port MacDonnel und nach Beachport. Dort bekommt man faszinierende Eindrücke von der Shipwreckcoast. Bei Beachport ist der Bowman Scenic Drive ein echtes Erlebnis. Die beeindruckende Kulisse, die bei bedecktem Himmel und auffrischenden Winden noch eindrucksvoller erscheint, spricht auch die ortsansässige Tierwelt an, die sich uns ungefragt angeschlossen hat.
Am 2. Weihnachtsfeiertag haben wir South Australia dann verlassen und uns in Victoria in Richtung Great Ocean Road auf den nächsten Abschnitt unserer Reise begeben. Zwischen Mount Gambier und Warnambool waren wir noch 2 Stunden an den Blowholes in Cape Bridgewater. Auch hier gilt: je mehr Seegang, um so mehr Action bei den Wasserfontänen. Diese dürften übrigens auch die einzigen Gründe sein, in Australien verrostete Autos anzutreffen: das Meersalz deckt die Fahrzeuge auf dem ein paar hundert Meter entfernten Parkplatz großzügig ein. Das Unterhaltungsprogramm im Fernsehen war wiederum geprägt von tagelangen und nervenaufreibenden Liveübertragungen des alljährlichen Cricket-Testmatchs zwischen Weihnachten und Silvester (aber nach den aufregenden Tagen wären wir wohl auch ohne diese Art Unterhaltung problemlos eingeschlafen).